Der Autolack ist die mit die hochwertigste, sensibelste und zudem noch die größte Oberfläche am Fahrzeug. Die Lackoberfläche ist stets den harten äußeren chemischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Neben der regelmäßig einwirkenden Faktoren, wie (saurer) Regen, Vogel-/Bienenkot, Stadtluft, etc verursachen auch Waschanlagen-Besuche oder unprofessionelle Autopflege jede Menge Lackschäden, angefangen von mikroskopisch sichtbaren bis hin zu gut erkennbaren hässlichen Swirls und Kratzern. Viele Menschen können sich wahrscheinlich nicht vorstellen, aber sogar der Luftwiderstand übt bei großen Geschwindigkeiten eine nano-abrasive Wirkung auf die Lackoberfläche aus. Umso wichtiger ist grundsätzliches Basiswissen über den Lackaufbau, sowie regelmäßige Lackpflege.

Eine Fahrzeuglackierung ist keine monolitische Struktur über dem Fahrzeugblech, sondern ein relativ aufwändiger Aufbau von 4 verschiedenen Schichten, wovon der Klarlack lediglich die oberste Schicht bildet. Lass uns zunächst den grundsätzliche Aufbau der modernen Autolacke anschauen:

Aufbau der Autolackschichten

  • Das Fahrzeugblech bekommt zunächst eine 15 bis 20µm dicke Grundierungsschicht. Die Grundierung dient fast ausschließlich dem Korrosionsschutz nebenbei übernimmt sie auch die Funktion des Primers / Haftvermittlers.
  • Darüber kommt die Füller-Schicht. Diese Schicht ist besitzt oberflächeglättende Funktion, vermittelt dem späteren Lack eine gewisse Flexibilität zum Schutz vor Folgeschäden durch Steinschlag, unterstützt den Korrosionsschutz und Haftvermittlung.
  • Erst jetzt kommt die erste, für den Fahrzeugbesitzer sichtbare Schicht: Basislack (Base Coat). Der Basislack enthält die Farb- und Effektpigmente (Metalliclacke), bildet die eigentliche farbgebende Schicht und bestimmt am Ende die Fahrzeugfarbe. Die Basislackschicht ist i.d.R. die dünnste Schicht von allen, ist relativ rau und erfordert jede Menge Schutz.
  • Die finale Schicht bildet der Klarlack (Clear Coat). Seine primäre Aufgabe ist der Schutz des Basislacks und die Veredelung der Oberfläche zum Hochglanz. Die modernen Klarlacke sind sehr flexible, schlag- und chemie-resistente Acrylüberzüge, welche zudem noch UV-Filter besitzen, welche den Basislack vor dem aus Ausbrennen schützen.

Wie man unschwer zusammenrechnen kann, ist die Gesamtdicke des Autolacks mit 90 bis 110µm relativ dünn und liegt somit etwa gleich mit dem Durchmesser des menschlichen Kopfhaares (bis 100µm). In der Tat überschreiten die Lackdicken der modernen Fahrzeugreihen heutzutage den Wert von 120µm eher selten. Bei älteren Fahrzeugen können die Wert jedoch von bis zu 220-250µm vollkommen normal sein.

Die gebräuchlichen Lackdickenmesser für Privat- und Kleingewerbegebrauch messen immer nur die Gesamtdicke aller (!!!) Schichten. Desweiteren funktioniert die Messung nur auf Metaloberflächen. Die Lackdicke am selben Fahrzeug ist nie überall gleich. So kann es durchaus vorkommen, dass die seitlichen Partien je nach Blechformverlauf Abweichungen in der Lackdicke von bis zu 50% aufweisen. Dies ist zunächst vollkommen normal und nicht zwangsläufig ein Grund, einen Unfallschaden anzunehmen.

Viele Poliermaschinenkauf-Interessenten tun sich schwer mit der Wahl der heavy-cut Polierpasten und Polierpad. Die Angst ist groß, zuviel von dem dünnen Lack abzutragen. Wir möchten hier zumindest für den Einsatz der Exzenter(!)-Poliermaschinen eine Entwarnung aussprechen. Bedingt durch die Schleiftechnik der Exzenterpolierer bleibt der Lackabtrag auch mit den schärfen Polituren sogar in Verbindung mit Orange-Peel-Pads (Denim) weit unter dem eines 3000er Nassschleifpapiers. Außerdem besitzen die Maschinen eine Geschwindigkeitsregelung und sollten sowieso ständig in Bewegung bleiben. Grundsätzlich geht man davon aus, dass bei einem Lackaufbereitungssvorgang ohne Härtefallbehandlung 2 bis 5µm Klarlack abgetragen werden.

Der Zustand (und nicht die Dicke!) des Klarlacks bestimmt fast alleinig den Glanzgrad der Lackoberfläche. Je schlechter der Zustand und unebener die Lackoberfläche, um so stärker wird der Lichtstrahl beim Durchqueren der Klarlackschicht gestreut. Je feiner die Unebenheiten im Lack, um so mehr Licht wird für die Aufdeckung dieser Mängel benötigt. Während die dicken Kratzer sofort ins Auge fallen, benötigt man für Erkennung der Swirls und Hologramme starkes Sonnenlicht oder LED-Kontrolllampen.

Im zweiten Teil wollen wir die verschiedenen Kratzertypen beschreiben: Aufbau der Autolack-Schichten Teil 2/3: Anatomie der Kratzer

Wissenswertes über Autolack – Teil 1/3: Aufbau der Lackschichten
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