Der Kühlergrill ist eine der meisten beanspruchten Flächen bzw. Bauteile am Fahrzeug. Gleichzeitig erfüllt der Kühlergrill nicht nur eine notwendige praktische Funktion sondern ist fast immer ein essenzieller Part des Fahrzeugfront-Designs.

Bis auf wenige Ausnahmen platzieren die Autohersteller schon mal gerne ihr überdimensioniertes chromverziertes Marken-Emblem in die Mitte des Kühlergrills, nicht selten kommen weitere verchromte Deco-Element dazu. Durch eine intensive Fahrzeugnutzung und viele gefahrene Kilometer wird dieses „Kunstwerk“ entsprechend in die Mittleidenschaft gezogen. Die Kunststoffe und Chromoberflächen werden nicht nur mit jeder Menge Flugrost, Teer und Insekten bombardiert, auch die Feuchtigtkeit samt Straßenschmutz setzt sich nach und nach ab und lässt den ursprünlichen Glanz sehr schnell verblassen.

Genau diese Situation finden wir einmal im Jahr bei dem Nissan Quashqai vor.

Nissan Emblem & verchromte Leisten vor der Reinigung

Die gesammte Kühlergriff-Fläche wirkt zwar nur leicht angestaubt, in Wirklichkeit verbessert sich das Bild nach der Fahzeugwäsche nicht wirklich, mit zusätzlichem Licht erkennt man noch mehr Grauschleier, welcher fest auf der Verchromung sitz. Nützt nix, haben wir uns gedacht, wenn schon dann richtig – auch wenn dafür die halbe Fahrzeugschnautze auseianndergenommen werden soll.

Nissan Emblem und Teile des Kühlergrills im zerlegten Zustand vor der Intensivpflege

Neben der diversen Ablagerungen sind leider jede Menge Steinschlagschäden zu entdecken, besonders gut sichtbar am dem abgeplatzten Schwarzlack im Nissan-Schriftzug. Diese Schäden werden wir nicht mehr reparieren können oder genauer gesagt wollen wir in diesem Beitrag uns auf die intensive Reinigung und Pflege der Kunststoffteile und verchromten Oberflächen konzentrieren. Noch ein weiteres Bild des Grauens bevor wir dem Schmutz auf die Pelle rücken.

Nachdem wir alle Teile voneianander getrennt haben, sollten diese zunächst intensiv gereinigt werden. Hierzu bietet sich das Standardprogramm mit einem 1:10 verdünntem APC, einem Pinsel und einem Microfasertuch. Der Pinsel ist gerade bei stark strukturierten und verwinkelten Oberflächen sowie schmalen Ritzen sehr effektiv.

Verwendete Produkte für den Reinigungsschritt

Nach der Reinigung die Einzelteile mit Microfasertuch sauberwischen oder erst mit einem Wasserstrahl abwaschen – entfernt die letzten Reinigerreste. Anschließend trocknen lassen und wir können direkt mit den verchromten Oberflächen starten. Dazu verwenden wir eine Lackpolitur (!) und zwar die Menzerna HCC400. Diese besitzt sehr gute abrasive Eigenschaften und poliert auf einen sehr schönen Hochglanz aus. Alternativ bieten sich auch einschlägige Chrom- und Metallpolituren an, jedoch ist Vorsicht angesagt – diese sind tatsächlich für echtes Chrom auf echten Metaloberflächen gedacht und können auf weichen Plastiken feinste Swirls hinterlassen.

Ein Vergleich des Oberflächenzustands vor dem Polieren (links) und danach (rechts)

Die Chromverzierung sieht zum Glück noch gut aus, die Oxidationen und Schmutzschleier konnten restlos herauspoliert werden. Dieselbe Prozedur wird anschließend noch an den Emblem durchgeführt. Durch die vielen Vertiefungen und Oberflächenknicke ist ein Microfasertuch anstatt eines Schwämchens um einiges effektiver. Wenn die Verwendete Politur keine intergrierte Versiegelung mitbringt, bietet es sich an, die Oberfläche mit einem Wachs zu versiegeln. Die Belastung an der Fahrzeugfront ist enorm, also raten wir zu einem Hybrid- oder Polymerwachs. Ein Fusso Coat 12M wäre zumindest bei lackierten Plastiken die erste Wahl.

Verwendete Produkte für den Polierschritt

Sobald wir mit den Chromteilen durch sind, geht es direkt an die Kunststoffe. Diese versiegeln wir mit der APS Premium Graphit Kunststoffversiegelung. In unserem Beispiel ist der Bereich um das Emblem herum sehr stark strukturiert – mit einem Standard-Auftragsschwämmchen kommen wir nicht weit.

Die stark-strukturierte Plastikoberfläche benötigt ein passendes Auftragswerkzeug

Zunächst haben wir mit einem Schaumstoff-Pinsel von ValetPro ausprobiert. Unglücklicherweise ist der Schaumstoff an der Pinselspitze zu weich und wir kommen nicht zuverlässig in die Ecken der Ritzen. Also weichen wir auf dem Borstenpinsel um, dieser erlaubt uns einen schnellen und gleichmäßigen Auftrag. Einzige Voraussetzung für die Arbeit mit dem Pinsel ist diesen nicht mit dem Pflegemittel vollsaugen zu lassen.

Die Best Practice wäre, ganz wenig von dem Pflegemittel in ein flaches Schälchen reinzukippen und dieses in Malkasten-Farbe-Manier zu gebrauchen – Pflegemittel mit der Pinselspitze entnehmen und auf der Zieloberfläche zu verteilen.

Beispielprodukte für den Kunststoffpflege-Schritt

Nach dem Auftrag der Kunststoffpflege sollte man diese einziehen lassen und gegebenfalls, je nach Zustand der Plastiken evtl einen zweiten Auftrag starten. Unser Kühlergrill besitzt eine polierte Oberfläche. Hier wird wir bereits wie bei Chromteilen mit Lackpolitur bearbeitet und ist, aufgrund der Gitterstruktur, sehr mühsam.

Der erste Check nach der fertigen Behandlung vor dem Zusammenbau. Sieht schon mal sehr gut aus. Also wird das Ganze wieder zusammengebaut.

Ein Blick aus der Entfernung – wir sind zufrieden!

Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, die Mühe mit dem Ausbau, Zerlegung und mühsamen Behandlung hat sich wirklich gelohnt.

Wenn man bedenkt, dass der Vorher-Zustand durch jahrelang versäumte Pflege entstanden ist, können wir davon ausgehen, dass für die nächsten 12 Monate zunächst nicht mehr dringend dran müssen.

Und nun viel Spass beim „Nachbauen“!

Verwitterte Chrom- und Plastikteile des Kühlergrills richtig pflegen
Markiert in:             

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.