Waterless-Wash-Anleitung

Beim ersten Gedanken an die Fahrzeugwäsche denken die meisten Autopflege-Begeisterte sofort an einen Eimer mit Grit Guard, einen Shampoo, einen Waschhandschuh sowie ein Trockentuch. Es gibt aber neben der No-Rinse Autowäsche einen weiteren, komplett wasserlosen Ansatz: die sogennante Waterless Wash. In diesem Beitrag wollen wir schauen, was an der Reinigungsmethode dran ist.

Was ist Waterless Wash?

Der Begriff darf wörtlich übersetzt werden und bedeutet einfach nur wasserlose Wäsche. Etwas bekannter ist die Bezeichnung „Trockenwäsche“. Die Methode benötigt keine Fahrzeugwäscheausrüstung und wird mit Hilfe der entsprechenden, sprühbaren Spezialprodukte sowie ein Paar flauschigen Microfasertücher durchgeführt. Da der anfallende Schmutz komplett im Microfasertuch landet, kann diese Methode tatsächlich überall durchgeführt werden – in der Garage oder draußen unter den misstrauischen Blicken der Nachbar-Oma.

Der Ansatz der wasserlosen Wäsche basiert auf dem Einsatz der polymerbasierten Speziallösungen, welche den Oberflächenschmutz zuverlässig einweichen, kapseln und einen kratzerfreien Abtransport von der Oberfläche unterstützen sollen. Es funktioniert tatsächlich, erfordert jedoch eine richtige Durchführungstechnik.

Die Waterless Wash kann als eine fortschrittlichere Variante der Trockenwäsche (Quick Detailing) angesehen werden. Schon in den Anfängen der modernen Autopflege-Geschichte wurde der Bedarf an sprühbaren Lackreinigern entdeckt. Viele Lackschnellreiniger eignet sich daher für eine Waterless Wash. Durch die Entwicklung der spezialisierten Produkte wurden die Einsatzbereiche immer weiter voneinander getrennt. Die Quick Detailer werden heutzutage für die Entfernung von absolut leichten, oft lokalen Oberflächenverschmutzungen (Vogelkot, Bienenkot, Blütenpollen, Straßenstaub, etc) oder zur Auffrischung des Lackschutzes eingesetzt. Die Waterless Wash Produkte sollen stattdessen einen möglichst vollwertigen Ersatz für eine normale Autowäsche darstellen.

Wann ist Waterless Wash sinnvoll?

Die wasserlose Wäsche kommt immer dann in Betracht, wenn die anderen beiden Methoden nicht zugänglich sind. Stellt euch vor, euer Fahrzeug ist dreckig, Ihr wohnt in einer eher dünn besiedelten Gegend, die nächste Waschbox ist 20-30 km oder noch weiter entfernt und es regnet auch noch wochenlang. Ihr wollt das Fahrzeug aber polieren und davor waschen. Je nach Umgebungsverhältnissen kann es passieren, dass das Auto nach der Wäsche und der langen Rückfahrt genauso aussieht wir davor.

Es gibt noch weitere Gründe, welche eine Waterless Wash rechtfertigen könnten:

  • Die Waschbox ist zu, das Fahrzeug muss aber sauber
  • oder reguläre Wäsche steht grundsätzlich nicht zur Verfügung
  • oder Ihr seid auf dem Weg zum Autotreff und wollt den Oberflächenschmutz nach der Anreise schonend runternehmen.

Wie funktioniert Waterless Wash?

Die Waterless Wash funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Trockenwäsche mit den Lackschnellreinigern (Quick Detailing). Bei intensiven Verschmutzung wie Erdklumpen oder Sandteppich hinter dem Kotflügel stößt diese Methode schnell an ihre absolute Grenzen.

Wasserlose Wäsche NOGO-Fall
Bei solche extremen und sandkorn-lastigen Verschmutzungen sollte keine wasserlose Wäsche stattfinden.

Oben sehen wir so ein negatives Beispiel. Wir gehen aber von einem regulär verschmutzen Fahrzeug mit dünnenschichtigen Kontaminationen durch Straßenschmutz und Umwelteinflüsse.

So ganz wasserlos ist die Waterless Wash streng genommen doch nicht. Die meisten Produkte aus diesem Bereich werben mit wirtschaftlichen Vorteilen dieser Waschmethode durch sehr gute Verdünnungseigenschaften. Und in der Tat werden die Mittel meist nicht pur sondern in einem Verdünnungsverhältnis von 5 bis 15 eingesetzt.

Die zu reinigende Oberfläche wird lückenlos mit der fertigen Lösung eingesprüht, bis eine gute Benetzung stattfindet. Hier müsst Ihr dem Waterless Wash Produkt etwas Zeit geben zu wirken. Etwa 15-20 Sekunden sind in der Regel vollkommen ausreichend. Ihr könnt aber auch länger warten, aber das Produkt darf nicht antrocknen.

Wasserlose Wäsche Oberfläche einsprühen

Nehmen nun eine weiches und vorallem absolut sauberes Microfasertuch, faltet es so, dass dieses gut mit einer Hand geführt werden kann.

Wasserlose Wäsche - Microfasertuch benetzen

Gebt einen kleinen Sprühstoss auf die Tuchseite und legt dieses an die Lackoberfläche an. Führt das Microfasertuch unter einem leichten Druck immer in eine Richtung auf der Lackoberfläche entlang.

Wasserlose Wäsche  Tuchführung über Lack

Um zu verhindern, dass der im vorderen Bereich des Microfasertuchs aufgenommene Schmutz oder gar Sandkörner den Lack zerkratzen, sollte der Auflagedruck aus der Tuch immer weiter nach hinten verlagert werden. Wenn die Handfertigkeit es erlaubt, lässt sich das durch eine stetige Abrollbewegung der Handfläche bewerkstelligen. Auf diese Weise sorgt ihr dafür, dass die verschmutze Fläche keinen Kontakt mit Lack bekommt und stets saubere Fasern zum Einsatz kommen.

Je nach Verschmutzung und 1-2 Wischbewegungen wird die Microfasertuch-Seite sichtbar schmutzig sein und darf nicht mehr verwendet werden. Wechselt die Seite und setzt mit dem nächsten Oberflächenabschnitt fort. Bei einem Tuch habt ihr theoretisch bis zu 4 Abschnitten pro Seite, also bis zu 8 saubere Seiten pro Tuch.

Wasserlose Wäsche - Schmutziges Microfasertuch nach der Anwendung

Welche Microfasertücher eignen sich für Waterless Wash?

Ein extrem wichtiger Punkt bei der wasserlosen Wäsche ist die Wahl der passenden Microfasertücher. Da die Schmutzpartikel nicht von einem Wasserstrahl abgetragen werden und auf der Oberfläche bleiben, müssen diese möglichst behutsam abgenommen werden. Egal wie gut die Polymerverbindungen sind, letztendlich ist die Umhüllung der scharfkantiten Partikel sehr dünn.

Die Microfasertücher erfüllen hier nicht nur eine reine Schmutzabnahme, sondern auch eine kratzer-vorbeugende Funktion. Aus diesem Grund sollten nach Möglichkeit Microfasertücher mit guter Wasseraufnahme und guter Schmutztransport-Eigenschaft gewählt werden. Je dünner und billiger das Microfasertuch, um so mehr Vorsicht ist von dem Anwender verlangt. Wir empfehlen daher weiche Microfasertücher mit einem GSM-Wert ab 500GSM.

Vorteile und Nachteile

Die Waterless Wash bietet einen einfachen Einstieg, relative niedrige Startkosten und ermöglicht eine universelle und schonende Lackreinigung überall. Auf der anderen Seite ist eine Trockenwäsche am ganzen Fahrzeug auch anstrengend. Man muss schon sehr genau nach der Beschaffenheit des Verschmutzung achten und die Dosierung des Mittels ggf darauf anpassen.

Für den oberflächlichen Schmutz und Straßenstaub funktioniert die Kapselung der Schmutzpartikel durchaus gut. Bei starken Belastungen durch echte Sandkörner kommt diese Methode sehr schnell an Ihre Grenzen und bedeutet mit jedem falsch angesetzten Wisch neue Kratzer.

Der umwelttechnische Ansatz zieht hier nur in der ersten Hälfte des Kinofilms. Ja, man spart die relativ hohen Anschaffungskosten für die Waschausrüstung und verschwendet kein Wasser. Aber je nach Fahrzeuggröße werden für die wasserlose Wäsche auch um die 6-10 Microfasertücher benötigt. Diese müssen am Ende gewaschen werden, wodurch wieder Waschmittel und hohe Wassermengen zum Einsatz kommen. Bei der starken Verschmutzungen muss im Voraus immer mit Hochdruckreiniger vorgewaschen werden.

Die Waterless Wash soll nicht als ein absolute Ablösung der normalen Fahrzeugwäsche verstanden werden. Letztendlich entscheidet die Summe der Umstände, ob die wasserlose Wäsche in Frage kommt und auch angewendet wird. Und genau dafür hat diese Waschmethode ihr volles Berechtigungsdasein.

Beispiele der Waterless Wash Produkte:

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Wasserlose Fahrzeugwäsche – was ist an dem Waterless Wash dran?
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